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Irans Regime feiert sich und seine Waffen
Zum Revolutionstag erklärt die Führung das Land zur Atommacht - Regimegegner protestieren im ganzen Land WELT ONLINE, Von Gabriela M. Keller und Daniel-Dylan Böhmer Beirut - Am 11. Februar 1979, wenige Tage nachdem der islamische Geistliche Ruhollah Khomeini in den Iran zurückgekehrt war, das Oberhaupt der religiösen Opposition gegen das Regime des Schahs, verkündete die iranische Armee, sie werde bei den Protesten neutral bleiben und auch die Regierung nicht mehr schützen. Daraufhin floh der letzte Ministerpräsident des Schahs, Schapur Bachtiar, überstürzt aus dem Land, und die Monarchie wurde für abgeschafft erklärt. Die Islamische Revolution hatte gewonnen. Am gestrigen Donnerstag, 31 Jahre später, lagen die Dinge anders: Das heutige Regime der Mullahs feierte sich und den Jahrestag mit wohlorganisierten Massenkundgebungen und erklärte den Iran zum Atomstaat. Zu den Demonstrationen der Opposition erschienen hingegen nur wenige Menschen, und sie wurden Opfer eben jener staatlichen Gewalt, die andere vom Kommen abgeschreckt hatte. Das befürchtete Blutvergießen blieb angesichts der massiven Übermacht der Sicherheitskräfte jedoch aus. Militärhubschrauber kreisten über Teheran, während Zehntausende Regierungsanhänger zum Freiheitsplatz im Zentrum der Stadt strömten. Schwadronen von Bassidschi, Mitglieder der regimetreuen Miliz, hatten sich ringsum verteilt. Polizisten versuchten, den Platz gegen die ebenfalls heranströmenden Regimegegner abzuschirmen. Präsident Mahmud Ahmadinedschad konzentrierte sich in seiner Ansprache auf den Konflikt des Iran mit dem Westen (siehe Kasten). Die innenpolitische Krise ließ er unerwähnt. "Diese Revolution geht über die Grenzen des Iran hinaus", sagte er. Während der Rede, die im Staatsfernsehen übertragen wurde, drangen aus dem Hintergrund Sprechchöre der Regimegegner mit dem Ruf: "Tod dem Diktator." Nach Augenzeugenberichten setzten die Sicherheitskräfte alle Mittel ein, um zu verhindern, dass sich Demonstranten in die offiziellen Aufmärsche mischten: scharfe Munition, Tränengas und Farbpatronen, die Protestierende später identifizierbar machen sollten. Auch führende Oppositionspolitiker wurden Opfer von Übergriffen: Mahdi Karubi, der im Juni als Kandidat gegen Ahmadinedschad angetreten war, wurde nach Angaben zahlreicher oppositioneller Blogs und Websites auf dem Weg zum Freiheitsplatz abgefangen. "Schlagstöcke und Farbpatronen wurden benutzt, um seine Leibwächter anzugreifen", schreibt eine Augenzeugin auf Facebook. "Karubi war unverletzt, aber nicht in der Lage, seinen Weg fortzusetzen." Sicherheitskräfte sollen auch den ehemaligen Präsidenten Mohammed Chatami angegriffen haben, auf Mir Hussein Mussawi, den wichtigsten Herausforderer Ahmadinedschads bei der Wahl, wurden Schüsse und Tränengas abgefeuert. Seine Frau Sahra Rahnaward wurde offenbar zusammengeschlagen. Auch die Enkeltochter Chomeinis, Sahra Eschrahi, und ihr Ehemann Mohammed Reza Chatami, ein Bruder des Ex-Präsidenten, sollen kurzzeitig festgenommen worden sein, ebenso Karubis Sohn Ali. Das Regime hatte schon in den vergangenen Wochen alles getan, um den Widerstand einzuschüchtern. Hunderte Oppositionelle waren festgenommen und zum Teil zu schweren Strafen verurteilt worden. Zwei wurden hingerichtet, zehn weitere warten auf die Vollstreckung ihrer Todesstrafe. Sie ist das jüngste Drohmittel, das die Herrschenden gegen den Protest einsetzen. Dennoch forderte die Opposition das Regime gestern heraus. Die Unruhen breiteten sich im Laufe des Vormittags über zahlreiche Plätze im Teheraner Zentrum aus. Allerdings blieb es bei kleineren Menschenansammlungen. Auch in anderen Städten soll es zu Zusammenstößen gekommen sein. Hunderte Demonstranten wurden nach Angaben oppositioneller Websites festgenommen. Im Internet breitete sich eine Fülle von Nachrichten aus: "Schwere Zusammenstöße an der Amirabad-Straße, die Bassidschi eröffnen das Feuer auf die Menschen." Auf Videoclips ist zu sehen, wie sich die Proteste bis in die Teheraner U-Bahn fortsetzen, wo gedrängte Mengen in den Waggons in Sprechchöre ausbrachen. Die Demonstranten lieferten sich den ganzen Tag über Katz-und-Maus-Jagden mit den Sicherheitskräften. Immer wieder zerstreuten sich die Demonstranten, nur um sich andernorts wieder zu formieren. Die Behörden hatten seit dem Vortag ihr Möglichstes getan, um der Opposition alle Kommunikationswege abzuschneiden. Das Internet war stark verlangsamt, Textnachrichtendienste waren gesperrt. |
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