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2010.02.23

Kleidungsprobleme haben andere

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Die iranische Skifahrerin Marjan Kalhor nimmt als erste Frau aus einem islamischen Land an Winterspielen teil. Unter dem Helm wird sie ein Kopftuch tragen.

derStandard.at

Ihren ersten größten Moment durfte Marjan Kalhor schon erleben. Bei der Eröffnungsfeier in Vancouver führte die 21-Jährige Iranerin ihre Delegation als stolze Fahnenträgerin in das Stadion. Die Bilder der kopftuchtragenden Athletin im traditionellen Umhang, hinter ihr die drei männlichen Team-Mitglieder, vor ihr die kanadische Freiwillige, die im weißen Mini-Mantel das Schild "Islamische Republik Iran" hochhält, gingen um die Welt.

Am Mittwoch wird Kalhor ihren zweiten größten Moment erleben. Im Riesentorlauf nimmt die Iranerin als erste Frau aus einem islamischen Land an Winterspielen teil. Ob ihre Teilnahme aufgrund der Negativstimmung gegenüber dem Iran politisch motiviert ist oder nicht: Qualifiziert hat sich Kalhor selbst. Mit einem 60. Platz im WM-Slalom 2009 in Val d'Isère. "Das habe ich mir vor vier Jahren geschworen", sagt sie. "Falls der Iran Damen die Teilnahme an Winterspielen erlaubt, muss ich die Erste sein. Und jetzt bin ich es tatsächlich."

Kalhor, deren Vorbild die Niederösterreicherin Kathrin Zettel ist, verkörpert den olympischen Slogan vom Dabeisein, das alles bedeutet, was naturgemäß das IOC entzückt. Nur kurz stand ihre Teilnahme in Gefahr, als sich ein iranischer Geistlicher im vergangenen Jahr zu Wort meldete. Die Kniebewegungen beim Skifahren würden den Mullah "zu sehr ans Tanzen" erinnern, was für Frauen unpassend wäre.

Marjan Kalhor wuchs in Dizin auf, einem hoch gelegenen Skiressort im Elburs-Gebirge, wo sich eine neue Generation junger, wohlhabender Iranerinnen und Iraner für Augenblicke auf der Skipiste ihrer politischen Freiheit sicher sein dürfen. Eine Sicherheit, die ihnen nur rund hundert Kilometer weiter südlich in Teheran abgeht.

Kalhor hat angekündigt, den islamischen Dresscode auch in Vancouver zu respektieren. Inklusive Kopftuch unterm Helm. "Auf der Piste bin ich sowieso komplett angezogen. Da gibt's also kein Kleidungsproblem.

"(David Krutzler, DER STANDARD, Printausgabe, 24. Februar)

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