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"Mit Gewalt lässt sich die grüne Bewegung nicht stoppen"
ZEIT ONLINE ZEIT ONLINE: Überwiegt denn bei Ihnen die Hoffnung oder die Sorge? Nouripour: Dieser Versuch, das Volk von der Straße fernzuhalten, zeigt, dass die Regierung stark verunsichert ist. Aber trotz der offenkundigen Drohung der Machthaber werden Millionen auf die Straße gehen. Auch die systematischen Übergriffe von Sicherheitskräften auf die Anhänger der Opposition konnten die Menschen bislang nicht abschrecken. Der Staat setzte sogar Hubschrauber ein, die Säure auf Demonstranten versprühten. Ich habe außerdem Bilder von Scharfschützen gesehen, die in Demonstrationszüge feuerten. Dennoch demonstriert die Opposition. Mit Gewalt lässt sich die grüne Bewegung nicht aufhalten. Nouripour: Das heißt aber nicht, dass die Opposition schwächer geworden ist. Deren Anhänger haben sich neue Protestformen ausgedacht. Und wenn die Demonstranten von der Straße vertrieben werden, steigen sie eben auf die Dächer der Häuser und rufen von dort ihre Parolen. Gegen Menschen, die "Gott ist groß" rufen, kann die Regierung nichts machen. Die Menschen haben sich von der Regierung abgewandt. Das Land steckt in einer tiefen Systemkrise. Wir sprechen nicht über einige enttäuschte Studenten sondern über eine breite Bewegung. ZEIT ONLINE: Innerhalb des Regimes fordern konservative Geistliche die Verhaftung der Oppositionsspitze. Wird eine weitere Großdemonstration die Hardliner stärken? Nouripour: Die verschiedenen Gruppen in der Staatsspitze agieren durchaus unterschiedlich. Die Regierung weiß, dass sie den Kampf um die Straße schon verloren hat. Mussawi hat neulich den Finger in die Wunde gelegt. Er sagte, er und die anderen Anhänger Chomeinis hätten mit der Revolution die Diktatur abschaffen wollen, doch heute herrschten wieder Diktatoren über das Land. Nouripour: Ach was. Die Informationskanäle der Opposition lassen sich nicht vollständig kappen, Berichte über Proteste gelangen weiterhin ins Ausland. Das Internet ist nicht komplett zu kontrollieren. Auch ich stehe mit Anhängern der Opposition, mit Menschenrechtsaktivisten und Frauenrechtlerinnen in Kontakt. ZEIT ONLINE: Bei der Sicherheitskonferenz in München diskutierten die Teilnehmer über härtere Sanktionen gegen Iran – allerdings nur wegen des Nuklearprogramms. Sie fordern dagegen Strafmaßnahmen gegen das Regime auch wegen den systematischen Menschenrechtsverletzungen. Würde das der Opposition helfen? Nouripour: Bisher hat die Internationale Gemeinschaft im Umgang mit Iran viele Fehler gemacht. Die Menschenrechtsverletzungen werden bei den Atomverhandlungen nicht angesprochen. Die Themen gehören aber zusammen. Auch die Opposition ist gegen ein militärisches Atomprogramm. Und die Demonstranten fragen, wo das Geld aus dem Ölgeschäft geblieben ist. Mit den Einnahmen finanziert Ahmadineschad nicht nur das Nuklearprogramm, er kauft sich auch die Treue der Sicherheitskräfte. Die Iraner haben nichts von den Öleinnahmen. ZEIT ONLINE: Aber schaden Sanktionen nicht dem Dialog mit dem Regime? Nouripour: Wir reden hier über ein Land, das sogar Minderjährige exekutiert. Ich habe vor einem Jahr noch Sanktionen gegen Menschenrechtsverletzungen abgelehnt, weil ich befürchtete, dass sie nur dem Volk, nicht den Machthabern schaden. Ich musste nach den Ereignissen der letzten Monate umdenken. Die Menschen in Iran glauben nicht mehr, dass beispielsweise die Öldevisen bei ihnen ankommen. Deshalb werden Sanktionen vor allem die Regierenden treffen und ihre Legitimität weiter schwächen. Die Gespräche des Westens mit der Führung in Teheran haben wenig bewirkt. ZEIT ONLINE: Was könnte Deutschland tun, um den Druck zu erhöhen? Die Fragen stellte Hauke Friederichs |
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