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2010.07.13

Iran-Schule ohne Aufsicht

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Behörden wissen nicht, was in der Einrichtung unterrichtet wird - Verbindungen zum Islamischen Zentrum Hamburg

WELT ONLINE, von Insa Gall

Die Schule liegt - unauffällig und von der Öffentlichkeit kaum bemerkt - in einem Wohngebiet am Rande Eimsbüttels. Vor der Tür des weißen Stadthauses am Steenwisch weht die iranische Fahne. In dem Gebäude ist "Die Schule der Islamischen Republik Iran" untergebracht. Die Einrichtung, in der 150 Schüler unterrichtet werden, ist kaum bekannt. Was im Inneren geschieht, was genau die Jungen und Mädchen lernen, wissen auch die deutschen Behörden nicht. Denn die Schule, die wie viele Teheraner Einrichtungen nach dem früheren Vorsitzenden des iranischen Revolutionsrats, Shahid Beheshti, benannt ist, untersteht nicht der Schulaufsicht der Stadt. "Wir haben auf den Inhalt dessen, was dort gelehrt wird, keinen Einfluss", sagt Behördensprecherin Brigitte Köhnlein.

Erst kürzlich hatte CDU-Fraktionschef Frank Schira anlässlich der umstrittenen Islamisten-Tagung in der Imam-Ali-Moschee an der Außenalster dazu aufgerufen, hinzuschauen, wenn "unser Grundgesetz von denen ausgenutzt wird, die in ihrem eigenen Land die Freiheit mit Füßen treten". Extremismus und die Verbreitung islamistischer Ideologien hätten in Hamburg nichts zu suchen. Die Moschee gilt als Außenposten der iranischen Revolution in Deutschland und Europa.

Auch die "Schule der islamischen Republik Iran" ist über Hamburgs Grenzen hinaus aktiv. In einem älteren persischsprachigen Artikel heißt es, die Schule habe Leitungsfunktionen und sei für die Betreuung sämtlicher iranischer Schulen in ganz Europa zuständig. Neuere Informationen gibt es nicht. Auch die Sicherheitsbehörden haben nur wenige Erkenntnisse über die Schule und ihre strategische Rolle. Sie steht nicht im Blickpunkt des Verfassungsschutzes. Bekannt ist, dass zwischen ihr und dem Islamischen Zentrum Hamburg an der Außenalster Kontakte bestehen. Es sei "lebensnah, davon auszugehen, dass die Prinzipien der iranischen Revolution zumindest nicht kritisch betrachtet" würden, heißt es von den Behörden. Die Privatschule ist als Einrichtung des iranischen Staates eine besondere Konstruktion. Sie wird von Schülern besucht, die aufgrund des vorübergehenden Aufenthalts ihrer Eltern in Deutschland von der gesetzlichen Schulpflicht in staatlichen Hamburger Schulen befreit sind. Das Angebot zielt eigentlich auf Diplomatenkinder und Unternehmer. Allerdings ist die Befristung mit drei Jahren recht lang. "Wir schauen sehr aufmerksam bei Anträgen auf Befreiung von der Schulpflicht, für anderes haben wir keine Handhabe", sagt Köhnlein.

Die Geschäftsstelle der Schule wird von einer Dame mit Kopftuch betreut. Schulleiter Ayoob Ebrahimi ist nur sporadisch im Haus. Er spricht kein Deutsch. Schriftliche Fragen will er zunächst beantworten, tut es dann aber nicht. Einen verabredeten Gesprächstermin lässt er ohne Absage platzen. Der Dolmetscher, der ebenfalls versetzt wurde, erzählt, dass rund 150 Schüler von der ersten bis zur zwölften Klasse unterrichtet werden - viele von ihnen nachmittags zusätzlich zum regulären Schulbesuch. Dies sind iranische Kinder, die nicht nur für kurze Zeit in Deutschland sind. Beim Bündnis der islamischen Gemeinden Norddeutschlands ist die Schule unbekannt. Führende Vertreter wissen nicht einmal von ihrer Existenz.

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