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2010.07.01

«Women without Men»: Provokantes Melodram aus dem Iran

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«Women without Men» strahlt so einen magischen Realismus von ungewöhnlicher erzählerischer Poesie aus - und wurde im vergangenen Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig für die Beste Regie ausgezeichnet.

AZ-WEB.DE, Von Anna Grillet, dpa

Hamburg. Als die im Iran geborene Regisseurin Shirin Neshat vor einigen Jahren mit der Arbeit an ihrem Film begann, ahnte sie nicht, wie aktuell ihr Werk bei der Premiere 2009 sein würde: Vergangenen Sommer demonstrierten viele Menschen, darunter Frauen an vorderster Front, auf den Straßen von Teheran für einen Regimewechsel - ohne Angst vor den Angriffen der schwer bewaffneten Polizei.
Auch die Protagonistinnen in Neshats erstem Spielfilm «Women without Men» wehren sich gegen männliche Dominanz und Gewalt und suchen am Ende Zuflucht in einem verwunschenen Garten, einem mystischen Refugium vor den Toren der Stadt.

«Women without Men» entstand nach dem gleichnamigen Roman der Exiliranerin Shahrnush Parsipur - und ist ein bildgewaltiges, erschütterndes Melodram über das Schicksal und die Sehnsüchte von vier Frauen im Sommer 1953, als in Teheran der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident Mohammed Mossadegh durch einen von den USA und Großbritannien unterstützten Staatsstreich gestürzt wurde und so die Rückkehr des Schahs ermöglichte. Doch auch wenn Neshat ihren Film den Opfern im Kampf für Freiheit und Demokratie im Iran widmete, so ist das Werk kein explizit politisches oder ideologisches Lehrstück. Vielmehr reagieren die vier Frauen instinktiv, rein gefühlsmäßig.

Die in New York lebende Fotografin und Video-Künstlerin Shirin Neshat hat nach ihren eigenen Worten mit jeder der Frauen etwas gemeinsam: Mit Faezeh (Pegah Ferydoni) teilt sie die Sehnsucht nach einem traditionellen Leben. Mit Fakhri (Arita Shahrzad) den Wunsch nach einem Neubeginn, mit Zarin (Orsi Tóth) die Schwierigkeit, den eigenen Körper zu akzeptieren, und mit Munis (Shabnam Tolouei) verbinden sie das politische Engagement und der Glaube an soziale Gerechtigkeit.

Fast fünf Jahre dauerte es, bis die endgültige Fassung des Drehbuchs feststand. Das Ergebnis ist überwältigend: Jede Einstellung ist in ihrer Komposition aus Schönheit und Provokation ein Kunstwerk für sich. Neshat kreiert eine fantastische, fast surreale Welt, in der die Gesetze der Logik aufgehoben sind, wo selbst das Sterben seinen Schrecken verliert.

«Women without Men» strahlt so einen magischen Realismus von ungewöhnlicher erzählerischer Poesie aus - und wurde im vergangenen Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig für die Beste Regie ausgezeichnet.

Kinostart: 1. Juli

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